Vier-Länder-Treffen: Säge- und Holzindustrie fordert Rückenwind für den Holzbau

16.09.2026
Die Säge- und Holzindustrie rund um den Bodensee blickt trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage mit Zuversicht auf die Zukunft des Werkstoffs Holz. Beim 64. Vier-Länder-Treffen im österreichischen Montafon berieten Vertreter der Holzindustrie Schweiz, des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs, der Wirtschaftskammer Vorarlberg und der Deutschen Säge- und Holzindustrie über die aktuelle Marktlage und politische Rahmenbedingungen. Vertreter aus Frankreich konnten in diesem Jahr nicht teilnehmen.
Holzbau bietet Potenzial für mehr Wohnraum
Weltpolitische Krisen belasten die Unternehmen in allen beteiligten Ländern. In Deutschland und Österreich kommen noch eine schwache Konjunktur und die anhaltende Schwäche der Bauwirtschaft hinzu. Gleichzeitig waren sich die Teilnehmer einig: Holz bietet große Potenziale für Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und die Schaffung von Wohnraum.
Das zeigen auch die aktuellen Holzbauquoten. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern erreicht Holz in Deutschland bereits einen Anteil von 28 Prozent, in der Schweiz 24,6 Prozent. In Österreich liegt der Anteil bei Einfamilienhäusern bei 21,6 Prozent. In allen drei Ländern ist zudem ein deutlich steigender Holzanteil bei den mehrgeschossigen, öffentlichen Holzbauten festzustellen. Angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum kann der Holzbau einen wichtigen Beitrag leisten. Ein hoher Vorfertigungsgrad, kurze Bauzeiten sowie serielle und modulare Bauweisen ermöglichen schnelles und hochwertiges Bauen. Gleichzeitig verbindet Holz Ressourcenschonung mit langfristiger Kohlenstoffspeicherung.
„Unsere Unternehmen stehen bereit, heimisches Rundholz zu hochwertigen Bauprodukten zu verarbeiten. Damit schaffen sie die Grundlage dafür, dass dringend benötigter Wohnraum schnell, ressourcenschonend und in hoher Qualität entstehen kann. Die Potenziale des Holzbaus sind vorhanden – jetzt müssen wir sie auch nutzen“, erklärte Marcel Marlin, Obmann der Holzindustrie Vorarlberg.
Bürokratie bindet Ressourcen in den Unternehmen
Dafür braucht die Branche verlässliche wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen. Gleichzeitig wächst der bürokratische Aufwand durch neue und immer komplexere Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene.
Als Beispiele nannten die Teilnehmer die EU-Entwaldungsverordnung EUDR, die Verpackungsverordnung PPWR und die neuen Anforderungen an umweltbezogene Aussagen durch die EmpCo-Richtlinie. Problematisch seien vor allem praxisferne Umsetzungen, fehlende Abstimmungen zwischen den Regelwerken und die Belastung durch ihre Summe. Dadurch würden Zeit, Personal und Kapital gebunden, die für Investitionen und Innovationen fehlten.
„Die Zuversicht und die Leistungsfähigkeit der Branche sind da. Die Politik sollte diese Kräfte stärken und nicht durch zusätzliche Bürokratie ausbremsen“, betonte Marlin. „Wer mehr Wohnraum, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung erreichen will, muss für praxistaugliche Regeln, verlässliche Genehmigungsverfahren und faire Wettbewerbsbedingungen sorgen.“
Die Teilnehmer appellierten daher an die Politik, die wirtschaftlichen Auswirkungen neuer Vorgaben stärker zu berücksichtigen, bestehende Regelungen auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen und Doppelbelastungen abzubauen.
Über das Vier-Länder-Treffen
Das Vier-Länder-Treffen bringt seit Jahrzehnten Vertreter der Säge- und Holzindustrie aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich zusammen. Im Mittelpunkt stehen Marktentwicklung, politische Herausforderungen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Branche rund um den Bodensee.




