The Macallan Distillery (c) markpower@magnumphotos (4).jpg

EU-Kommission präsentiert Bioökonomiestrategie

pixabay nature-3616194_1920.jpg

15.12.2025

  • Bedeutung bewährter biobasierter Materialien wird nicht ausreichend berücksichtigt

  • Realitätsferner Fokus auf neue Anwendungen statt Stärkung erfolgreicher Branchen

  • Zu viele unkonkrete Absichtserklärungen

  • Klares Bekenntnis zur Rohstoffbasis fehlt

Der Vorschlag der Kommission wird den selbst formulierten Zielen nicht gerecht. Die zentrale Rolle der bestehenden primären biobasierten Materialien wie Holz innerhalb der etablierten und bislang erfolgreichen europäischen Bioökonomie wird nur bedingt anerkannt und gefördert. Ebenso wird nicht anerkannt, dass diese bestehenden Produkte ihre zentrale Rolle weiterhin spielen müssen, wenn die europäische Bioökonomie in den kommenden Jahren ihr volles Potenzial entfalten soll.

Bewährte Anwendungen stärken

Der übermäßige Fokus des Rahmenwerks auf neue und neuartige Anwendungen ist bestenfalls Wunschdenken und schlimmstenfalls ein Fehler. Der logische und überlegte Ansatz wäre gewesen, die zentrale Rolle anzuerkennen, die bestehende, bewährte biobasierte Produkte in der aktuellen, erfolgreichen und wachsenden Bioökonomie bereits spielen, und darauf aufbauend das gesamte Gewicht des neuen Rahmens gezielt einzusetzen.

Positiv ist, dass bereits im ersten Satz der Vision die Bedeutung nachhaltiger biobasierter Materialien und Produkte wie Baumaterialien klar anerkannt wird. Diese Anerkennung wird jedoch dadurch untergraben, dass der Rahmenplan keine klare Strategie enthält, wie Europa die bestehenden bewährten nachhaltigen biobasierten Materialien und Produkte – einschließlich Baumaterialien – fördern kann. Es werden keine wesentlichen neuen Maßnahmen vorgeschlagen, um etwa die Verwendung von Holz im Bauwesen gezielt zu stärken. Gleichzeitig wird nicht anerkannt, dass die Nutzung von geerntetem Holz aus dem Wald aktiv gefördert werden muss, um die vielfältigen Vorteile von Holz im Bauwesen und bei anderen Holzprodukten weiter voranzutreiben.

Diese Diskrepanz zeigt sich darin, dass die Bioökonomiestrategie zwar die wichtige Rolle biobasierter Produkte für die Dekarbonisierung des Bauwesens anerkennt, jedoch versäumt, diese Materialien auf konkret sinnvolle Weise zu unterstützen. Zusätzlich wird dieser Widerspruch dadurch verstärkt, dass die zahlreichen Vorteile biobasierter Bauprodukte zwar klar benannt werden, jedoch keine nennenswerten Maßnahmen zu deren weiterer Förderung und Entwicklung vorgesehen sind. Zwar wird im Rahmenwerk festgestellt, dass der Einsatz biobasierter Produkte dazu beitragen kann, den Kohlenstoffgehalt und den Energiebedarf von Gebäuden um etwa 40 % zu senken, entsprechende zielorientierte Maßnahmen fehlen jedoch.

Zusätzliche Normungsbürokratie vermeiden

Der Vorschlag der Kommission, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten, der Industrie und Normungsgremien Normungsanträge im Rahmen der Bauprodukteverordnung für biobasierte Bauprodukte vorzubereiten, um vorhersehbare und vertrauenswürdige Leistungs- und Sicherheitsanforderungen zu gewährleisten, überzeugt nur bedingt. Es braucht keine weiteren Gremien und Normungsgruppen, insbesondere dann nicht, wenn diese darauf abzielen, den Wettbewerb zwischen biobasierten Materialien untereinander zu fördern.

Sinnvoller wäre es, ein EU-Pilotprojekt durchzuführen, um harmonisierte Ansätze für die Brandschutzleistung von Holz und anderen biobasierten Baumaterialien zu testen und zu unterstützen. Dabei sollte auf bestehende Initiativen aufgebaut werden, gegebenenfalls mit einem Schwerpunkt auf Dämmstoffen.

Kein Fokus auf langlebige Produkte erkennbar

Die Nutzung von Biomasse ist ein politisch und gesellschaftlich umstrittenes Themenfeld. Eine wachsende Bioökonomie könnte diese Konflikte weiter verschärfen. Um diesen Spannungen zu begegnen, ist eine möglichst langlebige und damit klimaschonende Verwendung biobasierter Materialien notwendig. Der Entwurf der Kommission gibt jedoch keinen Aufschluss darüber, wie ein Verfahren zur Nutzung von Biomasse für höherwertige Produkte und Materialien, die Kohlenstoff langfristig speichern, definiert und beschlossen werden soll. Auch wird nur unzureichend klargestellt, dass ein wachsender Anteil der Biomasse in Produkten – insbesondere in langlebigen Produkten – und weniger in der Bioenergie eingesetzt werden sollte.

Als Hersteller leichter und gut transportierbarer europäischer Produkte ist zudem von der Idee regionaler Verarbeitungsökosysteme abzuraten.

Fairen Wettbewerb umsetzen

Der Entwurf der Kommission erkennt zwar grundsätzlich die Notwendigkeit eines fairen Wettbewerbs zwischen biobasierten Produkten sowie Beton und Stahl an. Der Verweis auf die Überarbeitung der Bauprodukteverordnung scheint zu implizieren, dass die Öffnung und Erweiterung des EU-Marktes für biobasierte Bauprodukte der zentrale Hebel sein könnte. Dies entspricht jedoch nicht den bisherigen Erfahrungen der Branche. Vielmehr wird das Wachstum biobasierter Bauprodukte weiterhin behindert werden, solange keine gleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen naturbasierten Baumaterialien und solchen auf fossiler Basis geschaffen werden – insbesondere solange die vollständigen Klimaauswirkungen fossiler Baustoffe nicht angemessen berücksichtigt werden.

Primärbiomasse ist unverzichtbar

Besonders beunruhigend ist Abschnitt 3.1, in dem es heißt: „Reduzierung des Bedarfs an primärer Biomasse: Einsatz von sekundären Rohstoffen und Kreislaufwirtschaft“. Die Holzindustrie unterstützt zwar nachdrücklich den Einsatz von Sekundärrohstoffen und die Kreislaufwirtschaft – die Unternehmen praktizieren dies täglich und suchen kontinuierlich nach Verbesserungen –, ohne eine verstärkte Nutzung von Primärbiomasse wird es jedoch keine Expansion der Bioökonomie in der EU geben.

Die Kommission muss ihre Wunschvorstellungen in diesem Bereich erkennen und einsehen, dass die Bioökonomie nicht gefördert werden kann, wenn gleichzeitig der Zugang zu Rohstoffen eingeschränkt wird. Dies würde zu einer Überhitzung der Märkte führen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bioökonomie nachhaltig beeinträchtigen.

Das könnte Sie auch interessieren